Nicht nur für die Kinder, auch für ihre Familien bedeutet die Kindergartenzeit eine große Entwicklungschance, berichtet Sr. Maria Angelin aus Chole. Denn dadurch, dass die Eltern so deutliche Fortschritte bei ihren Kindern erleben, beginnen sie zu verstehen, wie wichtig der regelmäßige Schulbesuch ihrer Kinder in der Zukunft ist – und dass sie sie in ihrem Lernen unterstützen müssen. Neben den normalen Fächern im Bereich Lesen, Schreiben, Rechnen, Musik und Tanz legen die Schwestern viel Wert darauf, die Kinder spielerisch an eine gute Ethik des Miteinanders heranzuführen. Da viele Kinder aus armen Verhältnissen kommen, gehört die finanzielle Unterstützung und Begleitung der Familien auch zu den Aufgaben der Schwestern. In Chole sind im Kindergartenjahr 2019/20 zusammen 267 Kinder in der Amharisch- und der Oromiffa sprachlichen Sektion angemeldet.

In Alemtena war die langjährige Kindergartenarbeit der Schwestern so erfolgreich, dass auch eine Grundschule entstand. Von Elternseite wurde, nachdem die ersten Kinder ihre Schulzeit dort beendet hatten, wiederholt die Bitte vorgebracht, dass die Kinder auch im Bereich der Sekundarstufe (Klasse 5-8) noch an der Schule verbleiben können. Da die Schulgebühren aber bei weitem nicht ausreichten, um diese Ausweitung des Betriebs zu finanzieren, sprang hier unsere Stiftung ein. Nachdem der Schulhausneubau geschafft war, konnten im September 2014 die ersten Fünftklässler beginnen. 2010/11, als die erste Grundschulklasse in Betrieb ging, waren 164 Kinder in der Obhut der Schwestern. Im Schuljahr 2019/20 sind es insgesamt 653. Auch das Personal stieg an von 9 auf 39 Personen. Zum Personal gehört auch eine Schulsozialarbeiterin. Besondere Aufmerksamkeit soll von ihr den Waisenkindern und den Kindern aus prekären Verhältnissen gegeben werden. Sie werden mit Schulmaterialien, Schuluniformen, sowie der vollen oder teilweisen Übernahme der Schulgebühren und medizinischer Hilfe unterstützt. HIV positive Kinder bekommen regelmäßig zusätzliche Nahrung in der Schule. Obwohl Schulbücher in Äthiopien rar sind, schaffte es die Schule mit unserer Unterstützung, für jeden Schüler und für jedes Fach ein Schulbuch anzuschaffen. Musik, Theater, Zeichnen und Malen, Sport, Umweltschutzaktivitäten, Aktivitäten zur Förderung der Geschlechtergleichheit, Leseförderung und Teamarbeit gehören schon seit Jahren in den Lehrplan der Schule. In der siebten Klasse bietet die Schule seit einigen Jahren das Programm Teen Star an, das die Veränderungen in der Pubertät und das Thema Sexualität in den Blick nimmt.

Eine der größten Herausforderungen des Schuljahres 2019/20 ist die Einführung der Unterrichtssprache Oromifa. Bislang wurde der Unterricht in der Landessprache Amharisch erteilt. Mit den steigenden Spannungen zwischen den Ethnien in Äthiopien gibt es die politische Linie, dass in der lokalen Sprache unterrichtet werden soll. Von den Unterrichtsmaterialien über die Einstellung von Lehrern bis hin zu zusätzlichen Klassenzimmern, die benötigt werden, reichen die Anforderungen, die diese Umstellung mit sich bringt. Die Schule ist dabei für die Investitionen wieder auf Hilfe von außen angewiesen.